Sprachlose Gegenstände stoßen uns an – Nachdenken über Theodoros Boulgarides (2014)

Fotografien, Serie
Lambda-Prints
Maße: 42cm x 28cm


Konzept und Text:
Hannah Maischein







Sprachlose Gegenstände stoßen uns an ist ein fotografisches Interviewprojekt, das gemeinsam mit der Historikerin Dr. Hannah Maischein entstanden ist. Im Zentrum steht dabei der Versuch einer persönlichen Annäherung an Theodoros Boulgarides, der 2005 in München durch den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) ermordet wurde.

Ausgehend von ihren Gesprächen mit Angehörigen hat Hannah Maischein einen Text entwickelt, der eigene Erfahrung behutsam mit gesellschaftlichen Fragestellungen verbindet. Die Fotografien ergänzen den Text, sie zeigen unsere gemeinsame Spurensuche. Die Aufnahmen sind während der Interviews an Hand von Gegenständen, persönlichen Erinnerungsstücken, als auch an verschiedenen Orten Münchens, die mit Theodoros Boulgarides in Verbindung stehen, entstanden.

Text und Projekt gliedern sich in drei Abschnitte:
Der Garten, Die Familie, Das Haus. Am Beginn des Textes stehen einige einleitende Worte:


Vorab [Textauszug]

Wir wissen nichts über Theodoros Boulgarides. […] Durch den Mord sehen
wir ein Opfer und wegen der rassistischen Motive ist es – Theodoros Boulgarides – in der deutschen Öffentlichkeit rassistisch definiert: NSU-Opfer Theodoros Boulgarides.

[…] Es beginnt eine Spurensuche, bei der wir lernen, was wir nicht verstehen.

[…] Und wenn die Erinnerung kommt, reißen uns die Redeflüsse ebenso mit wie das Schweigen und spucken uns irgendwo am Ufer des Traumas wieder aus. Dort sitzen wir gestrandet und schauen über die Schulter der Angehörigen auf einen Scherbenhaufen.

[…] Und für uns? Hat sich für uns seitdem etwas verändert? […]


Die Familie [Textauszug]

»Jede Lyra hat ihren eigenen Klang«, erklärt uns der Cousin und es scheint als würde er über eine Person sprechen. Sie ist aus Kirschholz, oder nein: Zwetschgenholz, korrigiert er sich. Er hatte sie Theo geschenkt und sie sich dann zurückgeholt, »nachdem das passiert war«. Nein, Theo habe sie nicht gespielt – nur zur Dekoration. Er schreibt es mir auf: Pontische Lyra. Seine Frau zeigt mir, wie man es auf Griechisch schreibt: ΛϒΡΑ. Ein volkstümliches Instrument, das die Pontosgriechen von den anderen Griechen – wie die Bayern von den anderen Deutschen, erklärt er mir – unterscheidet. Sie hängt jetzt an der Wand bei ihm zu Hause. Gespielt wird die Lyra zum Tanz, früher sei er selbst Tanzlehrer gewesen, erzählt der Cousin, nun sein Sohn. Ja, Theo habe auch getanzt.